Nie Mehr Zurück · Folge 3
Warum fast jeder Zweite auswandern will und sich trotzdem nicht traut
- 18.08.2026
- 30 Min
- Mit Sophie & Tobias
Shownotes
Worum es in dieser Folge geht
Du träumst davon, auszuwandern und ortsunabhängig zu leben aber irgendwas hält dich immer zurück?
Damit bist du nicht allein: Fast jeder Zweite in Deutschland würde am liebsten gehen, doch die wenigsten tun es.
In Folge 3 von „Nie Mehr Zurück" reden wir ehrlich darüber, warum das so ist, weil wir selbst jahrelang genau in diesem Muster feststeckten und wissen wie es sich anfühlt.
Das erwartet dich in dieser Folge:
• Wie viel Geld du wirklich brauchst, um auszuwandern und warum die meisten hier komplett falsch liegen
• Die Kommentare, die wir von Fremden, Freunden und Familie zu hören bekamen, als wir sagten „Wir wandern aus"
• Warum der „richtige Moment" zum Auswandern nie von allein kommt
• Auswandern mit Familie und Kindern: die Sorge, die fast jeden aufhält und was wir unterwegs von reisenden Familien gelernt haben
• Der Unterschied zwischen auswandern wollen und es wirklich tun
• Warum du diese Entscheidung nicht ewig aufschieben solltest
Für wen ist „Nie Mehr Zurück"?
Für alle, die insgeheim davon träumen, auszuwandern, ortsunabhängig zu arbeiten und aus dem alten Leben auszubrechen wollen. Diese Folge trifft den Punkt, an dem du feststeckst.
Teile diese Folge mit der einen Person, die genauso denkt wie du und etwas verändern will, sich aber noch nicht traut.
In Folge 4 (nächste Woche Dienstag ) haben wir einen Gastauftritt: Du lernst Patrick kennen. Er stand genau an diesem Punkt, ohne große Ersparnisse und mit denselben Ängsten, und ist den ersten Schritt trotzdem gegangen. Die direkte Antwort auf alles, worüber wir heute geredet haben.
👉 Kostenlose Free Tour: In 4 Tagen zeigen wir dir per E-Mail (4 kurze Videos), wie wir vom 9-to-5-Job zu einem ortsunabhängigen Einkommen als Freelancer gekommen sind und wie du seriös online Geld als Freelancer verdienst und das komplett kostenlos. → https://freetour.nie-mehr-zurueck.com
Abonniere „Nie Mehr Zurück", damit du keine Folge verpasst.
Mehr von uns: https://nie-mehr-zurueck.com
Instagram: https://www.instagram.com/nie_mehr_zurueck/
Zum Nachlesen
Transkript der Folge
Es gibt zwei Zahlen, die mich nicht loslassen: 21 Prozent der jungen Deutschen planen konkret, Deutschland zu verlassen und im Ausland bessere Lebensbedingungen zu finden. Und 41 Prozent können sich grundsätzlich vorstellen, auszuwandern. Das ist fast jeder zweite junge Mensch in diesem Land, der zumindest mit dem Gedanken spielt.
Und weißt du, wie viele es wirklich machen? Deutlich weniger. Heute reden wir darüber, warum das so ist – nicht als Motivationsrede und auch nicht als Aufmunterung, sondern weil wir beide selbst lange in genau diesem Muster feststeckten.
Wir kennen diese Situation. Wir kennen die Kommentare, die Gesichter, die Sätze, die man gesagt bekommt, sobald man diesen Wunsch einmal ausspricht: „Ich könnte mir vorstellen, auszuwandern." Wir haben das alles selbst live erlebt.
Ich denke da immer wieder an unseren einen Flohmarkt-Tag. Bevor wir nach Australien gegangen sind, haben wir alles verkauft – wirklich alles, die ganze Wohnung aufgelöst. Dafür haben wir ein paar Flohmärkte gemacht. Wir haben ein kleines Schild aufgestellt, auf dem stand, dass wir auf Weltreise gehen und deshalb alles verkaufen und den Sachen, die wir uns angehäuft hatten, ein zweites Leben schenken möchten.
Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie die Menschen dieses Schild gelesen haben – die Blicke, die sie uns zugeworfen haben, und die Kommentare dazu. Im Nachhinein betrachtet war das besser als Kino. Ein altes Ehepaar stand an unserem Stand, hat uns richtig bedrückt angeschaut – nicht böse – und dann nur gefragt: „Habt ihr kein Studium? Wie stellt ihr euch das denn mit der Arbeit vor? Ihr müsst ja auch irgendwie Geld verdienen."
Am heftigsten fand ich diesen einen Typen, der so schnippisch an uns vorbeigelaufen ist, sich das Schild angeschaut hat und dann meinte: „Na ja, mit eurem Geld schafft ihr es ja vielleicht bis zur polnischen Ostsee." Das fand ich grenzüberschreitend. Was berechtigt diese Person dazu? Sie kennt uns gar nicht, kennt unseren Lebensweg nicht, weiß nicht, wie viel Geld wir auf dem Konto haben – und trotzdem kommt so ein Kommentar, ohne einen Gedanken daran, wie das beim anderen ankommt.
Am meisten beschäftigt hat uns aber, dass ein guter Freund – jemand, den wir wirklich mögen – gesagt hat: „Stellt euch das Ganze mal nicht so einfach vor. Ich habe auch eine Tante, die im Ausland lebt, und das ist alles viel teurer. Wir reden in einem Jahr noch mal drüber, wenn ihr den Plan wieder ad acta gelegt habt." Mittlerweile ist dieses Jahr längst vergangen – also lass uns gern drüber reden.
Und dann die ganzen Klassiker, die man fast täglich hört, auch auf Instagram: „Ihr kommt sowieso zurück. Spätestens, wenn ihr mal eine OP braucht, seid ihr wieder in Deutschland."
Was mich in diesen Momenten am meisten getroffen hat: Das waren keine fremden oder bösen Menschen. Die meinten das wirklich ernst, die hatten wirklich Angst um uns, hatten fast ein bisschen Mitleid und haben sich auf ihre Art Sorgen gemacht. Jeder wollte unbedingt seine Ratschläge weitergeben und uns davor warnen, warum das eine ganz dumme Idee ist.
Und genau in diesen Sorgen liegt das Problem. Diese Sätze kommen nicht aus dem Nichts – sie kommen aus demselben System, in dem diese Menschen selbst feststecken, so wie wir damals festgesteckt sind. Weil sie nie rausgegangen sind, können sie sich einfach nicht vorstellen, dass ein Leben fernab von Deutschland überhaupt möglich ist und funktioniert.
Das war unser echter Spiegel. Er hat uns gezeigt: Das hier ist nicht unser Kampf, das ist ein kollektiver Glaubenssatz.
Aber bevor ich auf irgendjemand anderen zeige, halte ich mir selbst den Spiegel vor. Meine Ausrede war immer Geld. Geld war schon immer mein limitierender Faktor: Ich habe nicht genug Erspartes, und wenn ich erst mal – keine Ahnung – 10.000 Euro auf dem Konto habe, dann starte ich. Diesen Gedanken hatte ich nicht einmal, den hatte ich hundert-, tausendmal.
Vietnam hat das dann aufgebrochen. Wir waren drei Wochen in dem Land unterwegs – ein winziger Bruchteil meines Lebens –, aber in diesen drei Wochen habe ich wirklich gelebt und war so glücklich, wie ich es die ganzen Jahre zuvor nie war. Auf Social Media habe ich immer die Typen gesehen, viel jünger als ich, die mit viel weniger Startkapital einfach in die Welt gereist sind und es gemacht haben. Und trotzdem hatte ich, zurück in Deutschland im Autohaus, wieder denselben Gedanken: Wenn ich auf Weltreise gehen und raus aus dem System will, brauche ich einfach mehr Geld.
Und das Schlimme ist: Mir ging es genauso, nur mit einer höheren Zahl auf dem Konto. Dadurch, dass ich im Konzern gearbeitet habe, konnte ich mir 30.000 Euro ansparen. Das klingt für manchen vielleicht nach einer riesigen Summe, für manchen nicht – aber selbst damit habe ich mir eingeredet: Das reicht noch nicht, das ist nicht gut genug. Was ist, wenn es aufgebraucht wird? Ich muss noch mehr sparen, bevor ich losstarten kann.
Und das war so absurd, weil ich danebenstand – mein Höchststand auf dem Konto waren 5.000 Euro. Mehr hatte ich nie, mehr ging auch einfach nicht. Und ich dachte: Sophie, was erzählst du da? Du hast sechsmal so viel wie ich und sagst immer noch, es reicht nicht.
Genau das ist das Verrückte an dieser Ausrede: „Ich habe nicht genug Geld" hat keine Grenze. Egal, wie viel du auf dem Konto hast – dein Kopf findet immer einen Grund, warum es noch nicht reicht. Und das macht sie so tückisch, weil sie sich vernünftig anfühlt: „Ich muss doch erst mal genug gespart haben, sonst ist alles davor ein riesengroßes Risiko."
Irgendwann habe ich dasselbe Muster bei mir im Sport erkannt. Dieselbe Ausrede – „Ich habe nicht genug Geld" – habe ich beim Sport genauso benutzt. Ich hatte in früheren Jahren lange keinen Sport gemacht, aber andere Typen auf Instagram gesehen, die gut aufgebaut waren. Dann habe ich mich im Spiegel angeschaut und gedacht: Junge, du willst Sport machen, aber du kriegst es nicht geschissen. Jeden Abend habe ich dieselbe Ausrede gefunden – heute klappt's nicht, heute geht's mir nicht so gut, vielleicht mache ich's morgen, die Arbeit war zu stressig.
Das sind alles Ausreden, alles Bullshit. Ich habe das über Jahre aufgeschoben, nur weil ich innerlich zu bequem war und die Entscheidung nicht treffen wollte. Irgendwann hat es mir so gereicht, dass ich mir gesagt habe: Schluss, aus, es reicht jetzt. Ich hatte damals nach der Arbeit immer gezockt, um den Tag ausklingen zu lassen und die Arbeit erträglicher zu machen. An dem Punkt habe ich gemerkt: Du suchst dir gerade schon wieder eine Ausrede. Dann habe ich die Konsole ausgemacht und gesagt: Schluss mit lustig, ab jetzt machst du Sport.
Von dem Tag an habe ich jeden Tag ein Workout gemacht. Keine perfekten Bedingungen, keine große Idee, keine Strategie – ich habe einfach gestartet. Es war einfach diese Entscheidung: Hör auf, dich selbst zu belügen, du machst es jetzt. Nach ein paar Wochen war es keine Überwindung mehr, es wurde eine Routine. Allein dadurch, dass ich mich in diese Situation verfrachtet habe, habe ich meinen Arsch und die Bequemlichkeit vom Sofa bekommen.
In diesem Moment habe ich verstanden: Das funktioniert überall. Du bist stärker, als dein Gehirn dir glauben machen will. Und dann wusste ich, dass es beim Reisen und beim Auswandern dasselbe ist: Die Bedingungen sind niemals perfekt. Sie verändern sich erst ab dem Moment, in dem du losgehst und sagst: Ich treffe jetzt die Entscheidung.
Genau diesen Impuls hast du mir immer wieder mitgegeben. Bei mir war es ein kleines bisschen anders. Ich habe mich mit dir verglichen und hatte immer das Gefühl: Ich stecke da viel tiefer drin als du, ich habe viel mehr zu verlieren. Unser Gehirn will ja Schmerz vermeiden und Freude erleben – und mir wurde jahrelang eingeredet, dass dieser Konzernjob mein absoluter Jackpot ist. Ich habe das selbst auch als Jackpot gesehen, weil ich eineinhalb Jahre technisches Fachabitur gemacht und studiert habe. Ich habe da viel Lebenszeit reingesteckt und dachte: Wenn ich das habe, muss ich doch endlich glücklich sein.
Das Verrückte ist, dass ich diesen Glaubenssatz – dass das der ultimative Job ist und ich nichts Besseres erreichen kann – wirklich geglaubt habe. Meiner Meinung nach wird das in so einem Konzern mittlerweile sehr manipulativ ausgeübt, und dein ganzes Umfeld spiegelt es dir wider. Die Kollegen, die selbst unzufrieden sind, gehen trotzdem nicht und sagen dir, es sei ein großer Fehler zu gehen. So steckst du wirklich in diesem System fest.
Ich habe gefühlt jeden Montag gespürt, dass ich komplett unglücklich und unzufrieden war – das ging dann auch schon auf meine psychische Gesundheit. Du erinnerst dich, wie ich jeden Sonntag nicht mehr einschlafen konnte und angefangen habe, Schlaftabletten zu nehmen. Du hast gesagt: „Sophie, da stimmt doch was nicht, du kannst da nicht weiter hingehen." Und ich habe es mir trotzdem eingeredet: Wie kannst du so undankbar sein? Du hast doch alles. Stell dich nicht so an, andere haben keinen so guten Job und gehen trotzdem jeden Tag zur Arbeit. Dazu diese Sprüche, die man hört: „Arbeit soll keinen Spaß machen", „das Leben ist kein Ponyhof."
Dann kommt eine extrem gefährliche Ausrede: „Ich habe doch eigentlich alles richtig gemacht." Das fühlt sich nicht wie eine Ausrede an, sondern wie absolute Vernunft. Ich habe morgens vor der Arbeit Dankbarkeitsaffirmationen gehört und ein Dankbarkeitstagebuch geschrieben – ich habe mir immer wieder eingeredet: Sophie, mit dir stimmt was nicht, dass du unzufrieden bist. Ich habe es gefühlt, aber mir gesagt: Nein, ich muss dankbar sein, ich habe mir doch dieses Leben aufgebaut, das ich haben wollte. Genau das war der goldene Käfig, in dem ich mich befunden habe.
Es hat wirklich einiges an Zeit und mentaler Arbeit gebraucht – auch von deiner Seite. Es wäre gelogen zu sagen, dass das über Nacht weg war, im Gegenteil. Eigentlich hast du mir mit deiner Lebensweise den Spiegel vorgehalten: Du hast eine Arbeit immer nur so lange gemacht, wie du Freude daran hattest. Wenn es dir nicht mehr gefallen hat oder nicht mehr zu deinen Bedingungen passte, bist du einfach gegangen. Das war für mich eine Vorbildfunktion – wow, diese Person macht wirklich nur die Arbeit, auf die sie Bock hat, und verkauft sich nicht unter Wert. Das hat mir gezeigt: Diese Sicherheit kommt nicht durch einen Job. Wenn ich die Sicherheit in mir selbst habe, kann ich den Job auch wechseln.
Das mit der Sicherheit – man wird von klein auf so programmiert. Von der Schule, von den Eltern, von Oma und Opa, von Freunden. Die kennen es ja auch nicht anders, die sind selbst nur ein Zahnrad in diesem System. Man wird darauf konditioniert, dass über Sicherheit nichts geht – und Sicherheit bedeutet letzten Endes, im Job bis zur Rente zu arbeiten, sein Geld zu bekommen und die Füße stillzuhalten. Denn sobald man etwas anderes macht als die breite Masse, ist man der Außenseiter oder der Querdenker und hat keine Glaubwürdigkeit mehr.
Und falls du diesen Podcast gerade hörst: Das ist kein Zufall, das System ist so gebaut. Du gehst jeden Monat arbeiten für ein Gehalt, das bekommst du pünktlich und verlässlich – und dein Gehirn lernt: Wenn ich hierbleibe und mir die Arbeit weiter antue, kommt Geld. Das ist nichts anderes als Konditionierung. Nichts anderes als das Tier, das gelernt hat, dass es Futter bekommt, wenn es im Käfig bleibt.
Obendrauf kommt das Rentensystem: Du zahlst jahrzehntelang ein, und irgendwann, wenn deine besten Jahre vorbei sind und du schon gelebt hast, darfst du aufhören zu arbeiten. Das ist der Deal, der dir als einzige Sicherheit verkauft wird – und die meisten akzeptieren ihn, ohne ihn je hinterfragt zu haben.
Dazu kommt das eigene Umfeld. Das haben wir mit fremden Personen auf dem Flohmarkt erlebt, genauso mit Arbeitskollegen, Freunden, Bekannten, Familie. Das sind alles Menschen, die dieses System durchlaufen und diese Glaubenssätze verinnerlicht haben – sonst wären sie nicht mehr da, wo sie jetzt sind. Weil sie selbst nie rausgegangen sind, wissen sie gar nicht, dass es auch anders geht, dass man ein anderes Leben führen kann, dass im Ausland ganz andere Möglichkeiten warten.
Das heißt: Wenn du aus dem System raus willst, kämpfst du nicht nur gegen deine eigene Angst – die ist immer nur das zweite Standbein. Du kämpfst gegen Jahre der Programmierung, von allen Seiten gleichzeitig. Und das macht es so schwer – nicht, weil du als Person zu schwach bist. Über Jahre bist du in diese Schublade hineinerzogen worden. Du weißt: Wenn du etwas anderes machst als die Masse, wird es sofort bestraft. Dann zeigt man mit dem Finger auf dich, redet dir ins Gewissen: „Stell dir das nicht so leicht vor, ich habe schon andere scheitern sehen." Das macht es so ultraschwer – und es funktioniert nur, wenn man einen ganz harten Cut setzt.
Ich möchte jetzt konkret werden, weil wir diese Sätze täglich von Menschen hören, die uns schreiben, und von Menschen in unserer Akademie. Ich sage das mit vollem Verständnis, weil ich diese Gedanken selbst hatte – aber ich sage es trotzdem direkt.
Ausrede Nummer eins ist meistens: „Ich habe nicht genug Erspartes." Sophie hatte 30.000 Euro auf dem Konto und hat sich trotzdem erzählt, sie habe kein Geld. Ich hatte 5.000 Euro auf dem Konto und bin nach Australien losgeflogen. Die Ausrede hat keine Grenze. Hast du eine konkrete Zahl im Kopf, bei der du sagen würdest: Jetzt reicht's? Die meisten haben nämlich gar keine. Sie haben einfach Angst, und Geld ist der bequemste Weg, diese Angst clever zu verpacken.
Ausrede Nummer zwei: „Ich warte noch ein Jahr, dann habe ich mehr gespart, dann ist es vielleicht besser." Ganz ehrlich – das passiert nicht. Deine Arbeit wirft nicht plötzlich so viel mehr ab, dass du 500 Euro mehr im Monat sparst. Im Gegenteil: Es kommt immer etwas dazwischen. Die Waschmaschine geht kaputt, eine Operation, ein Autounfall, eine Reise, die du buchst, weil du dich ablenken willst, eine neue Konsole. Das Geld geht für das Leben drauf, das du gerade führst – nicht für das Leben, das du eigentlich führen willst.
Ich habe mir das verinnerlicht: Ich bin damit früh aufgestanden und abends ins Bett gegangen, habe auf Instagram andere gesehen, die um die Welt reisen. Das war fast wie meine Bibel: Ich muss noch mehr sparen. Das Tückische daran ist: Hätte ich mir damals nicht die Grenze gesetzt und gesagt „Schluss, es reicht, wir fliegen jetzt los", würde ich heute noch in diesem Autohaus sitzen – und hätte immer noch nicht mehr Geld. Da kommt ja nicht der Chef und sagt: „Tobias, ich habe gehört, du willst auf Weltreise gehen, ich supporte das, ab nächsten Monat bekommst du drei Jahre lang 200 Prozent mehr Gehalt." Das ist Wunschdenken. Der Moment, in dem ich mehr gespart hätte, wäre niemals gekommen.
Dann gibt es die Ausrede: „Ich weiß nicht, womit ich anfangen soll." Das ist die ehrlichste Ausrede, weil sie oft wirklich stimmt. Es gibt so viele Informationen da draußen – YouTube, Podcasts, Instagram – und jeder Guru hat einen anderen Lebensratschlag für dich, sodass man am Ende gar nicht mehr weiß, was stimmt. Aber nicht zu wissen, womit man anfangen soll, und deshalb nichts zu tun, ist trotzdem eine Entscheidung. Eine bewusste Entscheidung, nichts an deinem Leben zu ändern. Schon Einstein soll gesagt haben: Der größte Wahnsinn ist, immer wieder dasselbe zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten. Wenn ich immer wieder dasselbe mache wie heute, wird meine Zukunft auch immer so sein wie heute.
Damit sind wir bei Ausrede Nummer vier: „Ich habe doch Kinder, ich habe Familie, ich habe eine große Verantwortung." Wir beide haben keine Kinder, das sagen wir ganz klar. Aber wir sehen so viele andere Menschen auf Reisen. Die Frage, die du dir stellen kannst, ist: Was zeigst du deinen Kindern, wenn du jeden Morgen unglücklich und gestresst aus dem Haus gehst, deine Kinder weinend im Kindergarten abgibst, obwohl sie da vielleicht gar nicht hin wollen, weil du das Gefühl hast, du musst ja das Geld nach Hause bringen? Was lernen deine Kinder darüber, wie das Leben funktioniert?
Wir haben auf Reisen so viele Familien getroffen, die in genau derselben Situation waren wie du: laufende Kredite, vielleicht ein Haus in Deutschland. All das, was du gerade als Grund nennst, hatten die genauso – aber sie sind den Schritt trotzdem gegangen. Das sind keine Supermenschen, das sind ganz normale Menschen mit genau denselben Ängsten. Sie haben diese Entscheidung trotzdem getroffen, für sich und für ihre Kinder.
Und dann ist da dieser innere Wunsch, der immer wiederkommt und den man wegdrängt. Ich habe ihn mir jahrelang weggedrängt: Ich wechsle den Arbeitgeber, suche eine neue Stelle, probiere ein neues Hobby aus, lenke mich mit einer Zockerrunde am Abend ab oder gehe ins Gym. Das sind alles Ablenkungen. Aber der große Traum, dieser innere Wunsch, kommt immer wieder – und daran merkst du, ob es ein echter Wunsch und ein Ziel ist oder nur mal so dahergesponnen.
Vielleicht erkennst du dich wieder: Du bist brutal unglücklich, willst auf Reisen gehen, hast aber die Handbremse angezogen – so wie ich acht Jahre lang. Du gehst in einen neuen Job, die ersten zwei Monate ist er richtig geil, du lernst dich ein, neue Kollegen, alles cool. Nach zwei Monaten kommt der Dämpfer: Eigentlich bin ich schon wieder ausgebrannt, eigentlich will ich doch nur auf Reisen gehen. Egal wie viele Ablenkungen und neuen Hobbys man sich holt – dieser innere Wunsch kommt immer wieder und verschwindet nicht.
Du kannst am Monatsende in eine Mall gehen und shoppen, in Designerläden, Süßkram kaufen, Deko fürs Haus, mit den Kindern in einen Freizeitpark fahren. Für den Moment ist alles wieder in Ordnung, da sagst du dir: Kann doch gar nicht so schlimm sein. Zwei Tage später kommt das Gefühl wieder. Und es verschwindet nicht, bis man eine Entscheidung getroffen hat.
Wir kennen das richtig hart. Wir hatten schlaflose Nächte, Sophie hat Pro-und-Contra-Listen geführt: Was ist positiv, was ist negativ? Dieses endlose „Mach ich's jetzt oder mach ich's nicht, was habe ich zu verlieren?". Allein durch diesen Prozess verliert man unglaublich viele Jahre. Und je länger man es aufschiebt und sich ablenkt, desto blasser und kleiner wird der Traum.
Dann hat man dieses Szenario, das wir auf Reisen extrem oft erleben: Man trifft 50-, 55-Jährige, Frauen und Männer, die sagen: „Ihr macht alles richtig. Hätte ich es mal 20 Jahre früher gemacht. Jetzt kann ich es nicht mehr, ich bin zu alt." Das darf nie passieren, denn dann hast du es verloren. Die Zeit bekommst du nicht wieder, sie läuft jeden Tag herunter. Nur diese eine Entscheidung musst du treffen, weil sie das Ganze ins Rollen bringt.
Die Pro-und-Contra-Liste erleichtert dir das nicht, sie macht es schwerer. Selbst wenn du zehn Pro-Punkte und nur vier Contra-Punkte hast, wird dein Gehirn die vier Contra-Punkte viel stärker gewichten. Diese vier negativen Punkte haben mich acht Jahre zurückgehalten.
Deswegen: Wenn du diesen Podcast gerade hörst – du musst diese eine Entscheidung treffen. Und Hand aufs Herz, ich verstehe das: Am Anfang hat man übelst viel Angst, es ist so ungewohnt. Aber du musst diesen Schritt gehen.
Ich weiß ganz genau, dass der eine oder andere sich jetzt denkt: „Ihr habt leicht reden, ihr seid ja schon auf Reisen und wollt uns am Ende nur was verkaufen." Ehrlich: nein. Wir waren genau in diesem Nine-to-five-Modus. Ich konnte nicht mal meinen Urlaub selbst bestimmen – der Konzern hat festgelegt, wann ich frei habe. Tobi hat im Autohaus so viele Überstunden geschoben und kam viel später nach Hause als ich. Wir haben uns als Paar gerade mal am Wochenende gesehen und konnten nicht mal gemeinsam Urlaub nehmen, weil Tobis Ferienzeit im Autohaus gesperrt war, wenn ich in meinen konzernfestgelegten Phasen Urlaub hatte.
Wir haben uns ehrlich in die Augen gesehen und gefragt: Was bleibt uns denn als Paar von unserer Freizeit? Wir haben doch gar keine Zeit, unsere wertvolle Lebenszeit mit dem Menschen zu verbringen, den wir am meisten lieben. Was macht das mit dir als Person und mit deiner Beziehung, wenn der eine drei Wochen zu Hause ist, gern verreisen würde, aber nicht kann, weil der andere an den Arbeitgeber gebunden ist?
Unser Leben war komplett von anderen vorbestimmt. Das ist kein Lifestyle-Problem, auch wenn es von außen manchmal so gesehen wird. Das ist Lebenszeit, die wir nicht zurückbekommen. Wir leben keine 300 Jahre und können nicht 80 Jahre arbeiten, um dann zu sagen: Okay, ich fange jetzt noch mal von vorne an. Das funktioniert nicht.
Es gibt einen riesigen Unterschied, über den wir noch sprechen müssen: den zwischen Wollen und Entscheiden. Wollen tut fast jeder – 41 Prozent können sich laut Studie vorstellen auszuwandern. Aber das Wollen kostet dich nichts, es ist komplett angenehm. Du sagst dir: Wäre schon cool, wenn ich länger auf Reisen sein oder auswandern könnte. Von diesem Wollen kommt am Ende nichts, weil du nichts riskieren und nicht aus deiner Komfortzone raus musst.
Entscheiden ist etwas komplett anderes. Ich mache es am Beispiel Sport fest, weil es perfekt passt: Wenn du dich beim Fitnessstudio anmeldest, musst du auch hingehen – du meldest dich ja nicht an, zahlst 80 Euro im Monat und lässt es verpuffen. Ab der Anmeldung ist es real. Dann kannst du nicht mehr so tun, als würdest du es irgendwann mal machen. Genau diesen Moment brauchst du – den ersten Schritt, der dich in eine Situation verfrachtet, aus der es kein bequemes Zurück mehr gibt. Du musst deinen Körper in diese unbequeme Situation drängen und dich zwingen anzufangen, auch wenn du noch nicht weißt, wie es weitergeht. Du kannst nicht in die Zukunft sehen – wohin der Weg führt, findest du nur heraus, wenn du losgehst.
Der richtige Moment kommt nicht von selbst, da klopft keiner an die Tür. Das ist mein größtes Learning im Rückblick: wie man allein mit einer Entscheidung das Leben um 180 Grad verändern kann. Bei uns war es die Entscheidung, den Flug zu buchen – allein dadurch können wir jetzt ein komplett anderes Leben leben, das wir uns immer erträumt hatten.
Mein Chef hat damals über mich gelacht und gesagt: „Du wirst nichts erreichen, Tobias. Komm bloß nicht angekrochen zurück ins Autohaus, wenn dein Geld ausgeht." Soll ich euch was sagen? Dieser Vorgesetzte druckt heute Preisschilder im Autohaus aus und hängt sie ins Auto. Gratulation.
Nächste Woche, in Folge vier, kommt die direkte Antwort auf alles, was wir heute besprochen haben. Wir laden Patrick ein – er war genau in diesem Moment, hatte keine großen Ersparnisse, dieselben Ängste und Zweifel und ist den ersten Schritt trotzdem gegangen.
Diese Folge hier ist zum Teilen und Diskutieren. Wenn du dich in diesen Worten wiedererkennst oder jemanden aus deinem Freundeskreis kennst, der genauso denkt und dieselben Themen hat, dann schick ihm diese Folge weiter.
Und wenn du merkst: „Ich stecke gerade selbst in dieser Situation fest und möchte da raus" – dann ist unsere kostenlose, viertägige Free-Tour dein erster Schritt. Vier Tage lang bekommst du nacheinander jeweils ein Video, in dem wir dir zeigen, wie wir es von unserem Nine-to-five-Job zu einem ortsunabhängigen Online-Einkommen als Freelancer geschafft haben. Du findest sie in unseren Shownotes. Bis nächste Woche!