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Nie Mehr Zurück · Folge 2

Wie es wirklich ist, den sicheren Job zu kündigen und auszuwandern

  • 18.08.2026
  • 25 Min
  • Mit Sophie & Tobias

Shownotes

Worum es in dieser Folge geht

„Ich wurde heute gekündigt." Diesen einen Satz hätten wir an unserem letzten Arbeitstag beide nicht erwartet und trotzdem war er der Anfang von etwas Befreiendem. In Folge 2 von „Nie Mehr Zurück" wird es persönlich: Wir nehmen dich mit an unsere letzten Tage als Angestellte, kurz bevor wir ausgewandert sind und uns aus Deutschland abgemeldet haben.

Bei uns beiden lief das übrigens völlig unterschiedlich ab. Tobi als Automobilkaufmann, der irgendwann keine unbezahlten Überstunden mehr mitgemacht hat und am Ende fristlos gekündigt wurde – von einem Chef, der nur über ihn lachte und wenige Stunden später selbst degradiert wurde.

Und Sophie als Ingenieurin im Konzern, die per Aufhebungsvertrag ausgestiegen ist – inklusive einer E-Mail, die im Großraumbüro für den unangenehmsten Moment ihres Berufslebens sorgte, und einem Chef, der ihr stattdessen China und eine Führungsposition anbot.

Das erwartet dich in dieser Folge:
• Wie Tobis klare Grenze bei den unbezahlten Überstunden am Ende zu seinem Ausstieg führte
• Sophies schlimmster Moment im Großraumbüro – als eine E-Mail zum Aufhebungsvertrag vor dem ganzen Büro aufflog
• Wie unsere beiden Chefs reagierten – vom Auslachen bis zum überraschenden China-Angebot
• Kündigen ohne Plan B: wie es sich wirklich anfühlt, plötzlich ohne festes monatliches Einkommen dazustehen und trotzdem auszuwandern
• Warum genau der Verlust der Sicherheit die eigentliche Befreiung war
• Was uns dieser Schritt über Identität und verschwendete Lebenszeit gelehrt hat

Für wen ist „Nie Mehr Zurück"?
Für alle, die insgeheim damit spielen, ihren sicheren Job zu kündigen, auszuwandern oder ihr Leben radikal zu verändern um endlich selbstbestimmt zu leben – und sich (noch) nicht trauen. Wenn du dich fragst, ob es sich lohnt, die Sicherheit loszulassen, ist diese Folge die ehrliche Antwort.

Teile diese Folge mit der einen Person, die gerade innerlich zerrissen ist: die etwas verändern will, sich aber noch nicht traut, den Job zu kündigen.

Das erwartet dich In Folge 3: eine Zahl, die uns nicht mehr loslässt – 62 % der jungen Deutschen wollen auswandern oder ihr Leben radikal verändern, und trotzdem tun es die wenigsten. Tobi hat dazu eine ziemlich direkte Meinung. Die Folge wird polarisieren.

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Zum Nachlesen

Transkript der Folge

„Oh mein Gott, das war, glaube ich, die schlimmste Situation in meinem Leben." Das klingt brutal dramatisch, aber ich meine es wirklich ernst. Jeder Tag in einem Job, den man nicht will, ist ein Tag, den man nicht zurückbekommt. Und ich denke mir in dem Moment nur: Oh mein Gott, was hast du jetzt schon wieder gemacht? Am Ende war der Auslöser bei mir nicht der perfekte Plan, den ich mir seit Jahren ausgearbeitet hatte, sondern die Erkenntnis, dass ich einfach keine Lebenszeit mehr verschwenden will.

Frei leben, selbstbestimmt sein, endlich für sich arbeiten – klingt gut. Aber ohne Geld geht gar nichts. Deshalb reden wir hier über beides: wie du ortsunabhängig arbeitest und wie du dir ein Leben aufbaust, das sich nach dir anfühlt. Kein passives Einkommen, kein Schnell-reich-werden-Konzept und kein Guru-Bullshit – sondern echte Arbeit, echte Entscheidungen und echte Freiheit. Ich bin Tobi. Und ich bin Sophie. Willkommen bei „Nie mehr zurück".

Letzte Woche haben wir euch erzählt, warum wir diesen Podcast machen. Heute wird es richtig persönlich: Heute reden wir über unsere letzten Tage im Job. Die ganze Wahrheit, nichts Aufgehübschtes – und auch nicht die mutige Heldengeschichte, sondern das, was wirklich passiert ist. Und ich sag's euch direkt: Es war nicht so, wie man sich das vorstellt. Wir haben ja alle die Vorstellung, dass man am letzten Tag einfach den Kündigungsbrief auf den Tisch des Chefs knallt und erhobenen Hauptes hinausmarschiert. Tja – ich wurde gefeuert. Und ich hatte absolutes Herzrasen, als ich eine einzige E-Mail abgeschickt habe.

Also fangen wir an. Tobi, erzähl uns mal: Was ist bei dir konkret passiert? Ja, ich war Automobilkaufmann, und ich bin der Typ – das war ich schon immer –, der 120 Prozent gibt, wenn er irgendwo anfängt. Ich kann da nicht einfach nur Larifari machen, sondern lege mich richtig ins Zeug. Aber ich lasse mich demzufolge auch nicht ausnutzen, und das ist für mich eine klare Grenze. Genau da ist letzten Endes der Konflikt entstanden. Das Unternehmen wollte, dass ich ständig Überstunden mache – einfach obendrauf länger bleibe oder früher anfange. Und das wollte ich nicht mehr reinstecken. Ich wollte nicht mehr arbeiten, als vereinbart war. Da habe ich immer klar gesagt: Nein, wenn meine Arbeitszeit vorbei ist, gehe ich. Ich mache keine Überstunden.

Und wie hat dein Chef darauf reagiert? Das kam bestimmt nicht gut an, oder? Nein, überhaupt nicht, das muss ich ehrlich sagen. Es wurde ja immer vorgeschrieben, dass man mehr leistet und auch in seiner Freizeit noch fürs Unternehmen verfügbar ist, mal eine Stunde länger macht oder eine halbe Stunde früher anfängt – weil es ja jeder so macht. Und meine Einstellung kam gar nicht gut an. Ich muss aber auch sagen: Zu dem Zeitpunkt hatten wir schon den Start unserer Weltreise geplant, das stand für uns fest. Und ich habe mir im Autohaus irgendwann die Frage gestellt: Warum soll ich noch wertvolle Lebenszeit in etwas investieren, das ich sowieso verlasse? Daraufhin habe ich mich krankgemeldet – bewusst, mit dem Ziel, dass das Unternehmen mich kündigt, damit ich Anspruch auf Arbeitslosengeld habe und die letzten Monate vor der Abreise für mich nutzen und mich vorbereiten kann.

Das klingt im ersten Moment total kontrovers. Mit meinem damaligen Mindset hätte ich gesagt: Das geht doch gar nicht – ich bin damals sogar krank zur Arbeit gerannt, weil ich dachte, das wird von mir erwartet. Aber im Nachhinein würde ich sogar sagen: Es ist ziemlich clever. Ja, es war eine bewusste Entscheidung. Ich hatte damals auch gar nicht viel Geld – obwohl eine Weltreise bevorstand, hatte ich nur zwei- bis dreitausend Euro auf dem Konto. Und ich wollte nicht selbst kündigen und dann mit nichts dastehen.

Dann kam das Gespräch zur Kündigung – und das war, sag ich mal, befreiend auf eine Art, die ich so nicht erwartet hatte. Ich saß meinem Vorgesetzten gegenüber und habe ihm ganz klar gesagt, was ich wirklich denke: dass mir meine Lebenszeit viel zu wertvoll ist, um sie im Autohaus abzusitzen und auf meine Rente zu warten. Dass ich auf Weltreise gehen werde, weil ich endlich ein freies Leben haben und die Welt erkunden möchte – und nicht nur mit 30 Urlaubstagen im Jahr meine Lebenszeit so weit auffrischen will, dass sie gerade erträglich ist. Und ich habe ihm direkt gesagt, dass er selbst jeden Tag seinen Job nur absitzt und einfach funktioniert. Ich hatte ja miterlebt: Sein Büro war neben meinem, und wenn der Hauptchef – der eigentliche Kopf hinter dem Autohaus – reinkam, hat er jeden Tag eins auf den Deckel bekommen, weil die Zahlen nicht stimmten und die Autos nicht richtig verkauft wurden. Er hat jeden Tag einen Anschiss bekommen. Also habe ich ihm gesagt: Schau, du bekommst doch selbst jeden Tag vom großen Chef eins auf den Deckel – das kann doch nicht das Leben sein, das du dir vorgestellt hast.

Das sind harte Worte. Ganz oft denkt man sich sowas in der Anstellung, würde sich aber nie trauen, es dem Chef direkt ins Gesicht zu sagen. Wie hat er in dem Moment reagiert? Ich glaube, ich habe den wunden Punkt getroffen. Er hat am Ende einfach über mich gelacht und gesagt, ich solle ja nicht ins Autohaus zurückgekrochen kommen, wenn ich im Leben nichts erreicht habe – und wenn das Geld auf der Weltreise ausgeht, weil sie nicht so funktioniert, wie ich mir das vorstelle, dann solle ich auch nicht wieder ankommen und nach einem Job winseln.

Also war das die komplette Gegenhaltung: „Was willst du mir erzählen, du wirst es doch selbst nicht hinkriegen." Genau, komplette Abwehrhaltung. Er hat wieder darüber gelacht und gesagt: „Junge, du kriegst sowieso nichts hin, wir werden schon sehen."

Und weißt du, was mittlerweile aus ihm geworden ist? Wir sind ja jetzt auch schon ein ganzes Stück weg. Das ist eigentlich eine ultra-lustige Geschichte. Zu dem Zeitpunkt, als ich im Autohaus gearbeitet habe, war er Junior-Chef. Und wenige Stunden nachdem ich von ihm gekündigt wurde, wurde er zum Pricing Manager degradiert. Das heißt, er hat dann nur noch Autopreisschilder ausgedruckt und im Markt geschaut, welche Preise gerade marktüblich sind. Im Umkehrschluss hat er genau das gemacht, was ich vorher nebenbei im Autohaus getan habe, wenn keine Kunden da waren – nur eben als Vollzeitstelle. Drei Positionen höher auf dem Papier, aber inhaltlich genau das, was ich in meiner Freizeit überbrückt habe. Das finde ich manchmal so witzig: Was hinter so einem Jobtitel steckt. Bei „Pricing Manager" denkt man an sonst was – irgendein englischer Name, wow, hochwertige Stelle – und am Ende ist es dann das. Manchmal ist es einfach witzig, wie das Leben spielt.

Das Lustige war auch: Ich war am Tag meiner fristlosen Kündigung bis 20 Minuten vor Ladenschluss noch im Autohaus, habe ganz normal gearbeitet und meine Kunden betreut. Man hat mich also extra bis kurz vor Feierabend warten lassen. Dann wurde ich 20 Minuten vor Schluss ins Büro geholt, und es hieß: „Ja, du warst krank, du hast keinen Krankenzettel eingereicht, wir müssen dich jetzt fristlos kündigen." Ich habe gesagt: „Ihr habt doch alle meine Krankschreibungen, die liegen alle vor." Da hieß es: „Nein, da kam nie etwas an." Ich bin danach aus dem Autohaus raus – es hat mich kurz beschäftigt, aber ich bin rausgegangen und habe zum ersten Mal seit langer Zeit, so seltsam das klingt, einfach tief durchgeatmet. Ich hatte dieses Gefühl: Endlich raus, es ist vorbei, jetzt ist alles real.

Und ich weiß noch genau, wie du an dem Tag nach Hause gekommen bist, mir in die Augen geschaut und gesagt hast: „Ich wurde heute gekündigt." Ich habe dich angeschaut und gesagt: „Was? Du verarschst mich jetzt, oder? Du machst doch Witze." Und du: „Nein, es ist mein Ernst." Ich wusste in dem Moment gar nicht, wie ich reagieren soll, weil das für mich so weit weg war – ich hatte das noch nie erlebt und wusste gar nicht: Was müssen wir jetzt machen, was beachten? Das war ein total seltsamer Moment, das zum ersten Mal zu erleben. Für mich war es trotzdem ein richtig befreiendes Gefühl, weil ich auf einmal mein eigenes Leben wieder so strukturieren konnte, wie ich möchte. Ich konnte ausschlafen – purer Luxus, wenn man's mal betrachtet –, ohne Wecker aufwachen, entspannt frühstücken, ohne vorm Autohaus zu hetzen und den Kaffee während der Fahrt reinzuhauen. So komisch das klingt: Der Tag nach der fristlosen Kündigung war einer der besten seit Jahren. Weil du endlich diese Freiheit wieder hattest, die man in der Anstellung nicht hat – auch im Kopf nicht, weil man ständig denkt: Ich muss ja arbeiten, ich muss zur Arbeit.

Sophie, bei dir war es ja komplett anders. Deine Kündigung hatte eine ganz andere Herangehensweise. Wie war das bei dir? Ja, bei mir war es komplizierter, aber auf eine andere Art. Ich war ja Ingenieurin im Konzern, und im Konzern gibt es ganz andere Möglichkeiten, da rauszukommen. Ehrlich gesagt ist es ziemlich schwer, überhaupt kündigen zu können: Wenn du dir nichts vorwerfen lässt – dass du etwas stiehlst oder Ähnliches –, wirst du eigentlich nicht aus dem Konzern gekündigt. Bei mir gab es die Möglichkeit eines Aufhebungsvertrags: Ich kann für ein bis acht Jahre aus dem Unternehmen rausgehen und theoretisch wieder einsteigen. Nach zum Beispiel vier Jahren Auszeit könnte ich sagen: „Hier bin ich, ich möchte wieder eine Stelle." Es wird aber immer betont, dass es keine hundertprozentige Garantie gibt, dass man zurückkehren darf – je nach wirtschaftlicher Lage, ob gerade Stellen frei sind oder nicht.

Und weil ich trotzdem sehr sicherheitsbedürftig bin, habe ich mir gesagt: Okay, ich möchte mich erst einmal informieren, wie das aussieht und wie die Regularien sind. Deshalb dachte ich: Als Allererstes schreibe ich eine E-Mail an die Personalabteilung, dass ich mich über so einen Aufhebungsvertrag informieren möchte. Da merkt man die Unterschiede zwischen uns: Wenn bei mir ein Ziel im Kopf ist, schließe ich komplett ab – für mich gibt es dann nur diesen einen Weg. Du hast gesagt, du sendest erst mal eine E-Mail an die Personalabteilung, um abzutasten, wie das Ganze funktioniert. Was ist nach dieser E-Mail passiert?

Oh mein Gott – das war, glaube ich, die schlimmste Situation in meinem Leben. Man muss sich vorstellen: Ich habe im Großraumbüro gearbeitet, und mein Chef hatte seinen Tisch direkt hinter mir. Immer wenn eine E-Mail einging, hatte er seinen Ton an, so ein Klingelgeräusch. Und ich bekomme eine E-Mail ins Postfach – wir hören dieses „Bling" im ganzen Großraumbüro –, und da steht „Aufhebungsvertrag". Im CC steht einfach nur, eiskalt, mein Chef. Ich mache diese E-Mail auf, sehe das CC und denke: Personalabteilung, das ist jetzt nicht euer Ernst. Und genau in dem Moment sitzt mein Chef hinter mir, und ich höre nur seine Stimme: „Sophie, wir müssen reden." Und ich denke mir: Oh mein Gott, was hast du jetzt schon wieder gemacht.

Im Nachhinein klingt das total komisch und irgendwie lustig, aber ich kann mir vorstellen, wie sich das für dich angefühlt hat. Ja, vor allem war ich immer so ein bisschen hin und her: Ist es wirklich der richtige Weg? Ich hatte wahnsinnige Angst. Und dann dieser Moment im Großraumbüro, wo gefühlt alle dich mit großen Augen anschauen und mitbekommen, dass irgendwas nicht stimmt – dass du jetzt mit dem Chef in einen Sonderraum musst. Ich habe mich komplett lost und übelst unwohl gefühlt.

Wie ging es dann weiter? Ich habe ihm erst erklärt, dass es nur zur Information ist. Ich bin dann zur Personalabteilung gegangen, habe mich informiert und trotzdem den Entschluss für mich gefasst: Okay, ich gehe diesen Weg. Und dann führte nichts daran vorbei, ein richtiges Gespräch mit meinem Chef zu vereinbaren. Ich habe ihm einen Termin eingestellt, und ich denke, er wusste schon, worauf es hinausläuft. Ich habe ihm gesagt, dass ich diesen Aufhebungsvertrag nutzen möchte, weil ich auf Weltreise nach Australien gehen will und noch nicht weiß, ob ich zurückkomme. Seine Reaktion war: „Wirklich, du willst gehen? Du hast doch hier in der Abteilung das größte Potenzial, ich würde dich gern weiterentwickeln. Ich könnte mir vorstellen, dass du später Führungskraft wirst und deine eigene kleine Abteilung leitest. Oder hast du dir vielleicht schon mal vorgestellt, nach China zu gehen? Dort könntest du mit deiner Erfahrung schon jetzt eine eigene Abteilung leiten."

Das ist krass. Wie war das für dich in dem Moment? Ganz ehrlich: Früher hätte mich das umgehauen. Früher war ich die Person, die sich alles vorgeben lässt, die schwer Nein sagen konnte und bei einer Entscheidung, die nur für mich ist, nicht konsequent geblieben ist. Ich habe ganz oft nachgegeben. Aber in dem Moment wusste ich in mir, was der richtige Weg ist. Ich hatte dieses Gefühl: Ich möchte nach Australien, ich will die Weltreise, und ich will diesen Cut von dieser Arbeitsstelle, die mich fast ins Burnout treibt. China ist für mich keine Lösung – dann sitze ich trotzdem in einem anderen Großraumbüro oder leite dort eine Abteilung, aber das ist ja nicht die Freiheit, die ich mir wünsche. Das war das erste Mal in meinem Leben, dass ich klar zu meiner Entscheidung gestanden und gesagt habe: Nein, das ist keine Option für mich. Ich weiß noch, wie ich nach Hause gekommen bin und übelst stolz zu dir gesagt habe: „Hey Tobi, ich stand heute übelst zu meiner Entscheidung, ich bin so stolz auf mich, und ich weiß, dass es der richtige Weg für uns ist."

Das ist der Moment, in dem man merkt: Man hat sich entschieden, die Entscheidung steht fest – und das, noch bevor man es laut ausspricht. Genauso ist es. Und gerade in so einem großen Konzern steht über deinem Chef noch ein größerer Chef. Mit unserem Großabteilungsleiter musste ich auch noch ein Gespräch führen. Der war so richtig Boomer-Generation: der Erste, der früh im Büro war, und abends um acht ist er vielleicht mal nach Hause gegangen. Der hat wirklich auf der Arbeit gelebt, hat nicht viel von seiner Familie gesehen, auch nicht viel von seiner Frau und seinen Kindern. Er hat uns sogar erzählt, dass seine Tochter quasi denselben Weg gegangen ist: dass sie aktuell in Australien in einer Tauchschule ist, ihr Studium hingeworfen hat und dort als Fotografin tätig ist. Ich habe ihn angeschaut und gesagt: „Hey, das ist ja total cool, dass das deine Tochter macht. Ist sie damit glücklich, freut sie sich darüber?" Und er sagte nur: „Nein, sie hat ihr Leben komplett in die Tonne geworfen, die muss gar nicht wieder zurückkommen, und ich kann das gar nicht nachvollziehen." Da wusste ich sofort: Okay, wie denkt diese Person jetzt wohl über dich und deine Entscheidung?

Das ist krass – vor allem, wie er über sein eigenes Kind denkt. Das hätte ich nicht erwartet. Ich ehrlich gesagt auch nicht. Ich fand es ziemlich erschreckend, wie man über die eigenen Kinder denkt, wo man doch als Elternteil der größte Support sein sollte – und das ist es dann doch nicht.

Und dann kam der Teil der Geschichte, der mir noch mal sehr klar gemacht hat, wie der Konzern wirklich über seine Mitarbeiter denkt. Im selben Gespräch mit meinem Chef kam raus, dass noch ein weiterer junger Kollege die Abteilung verlässt – auch ein sehr guter Kollege, der übelst viel gearbeitet und den anderen viel abgenommen hat. Mein Chef sagte uns: Wir dürfen der Abteilung gar nicht sagen, dass wir gehen. Er möchte keine große Aufruhr, solange die Stellen nicht nachbesetzt sind. Also alles geheim halten, damit der Betrieb weiterläuft und keine Hektik entsteht.

Und in diesem Moment habe ich wirklich gemerkt, was du mir vorher immer gesagt hast: dass ich im Konzern nur eine Nummer bin. Ich wollte es nie wahrhaben, aber letztendlich ging es einfach nur darum, meine Stelle, meinen Schreibtisch schnellstmöglich nachzubesetzen – und eigentlich ist es egal, von wem. Hauptsache, die Stelle ist besetzt. Das habe ich in diesem Moment klar zu spüren bekommen.

Und dann kommt der Teil, der übelst absurd war. Wir gingen durch unser Großraumbüro zum Vorzimmer des großen Chefs, und da war die Vorzimmerdame, die Assistentin. Die hat schon ganz laut Telefonate geführt und gesagt: „Hier, zwei Mitarbeiter aus der Abteilung verlassen uns, wir müssen die Stellen jetzt neu besetzen." Und du kannst dir vorstellen: Das gesamte Büro hat zugehört, alle haben sich angeschaut, keiner wusste wirklich, um wen es geht – außer mein Kollege und ich. Das war eine total unangenehme Situation.

Das klingt wieder wie eine klassische Konzern-Aktion – wie Buschfunk: Jeder weiß es, aber man selbst darf nichts sagen. Genau. Auf der einen Seite sollten wir es geheim halten, auf der anderen Seite wird ganz laut herumtelefoniert, dass zwei Stellen frei werden. Und ich erinnere mich genau: Wir saßen im großen Team-Meeting, und dann durften wir es endlich von unserem Chef aus verkünden, dass wir gehen. Letztlich wusste eh schon jeder, dass zwei Leute gehen – nur noch nicht, wer. Ich weiß noch den Moment: übelste Schockstarre, alle haben uns mit großen Augen angesehen. Und die erste Reaktion der Arbeitskollegen war: „Scheiße, jetzt bleibt die ganze Arbeit an uns hängen."

Ja, das habe ich im Autohaus auch von einer Kollegin gehört: „Hey Tobias, du bist doch so gut im Autoverkauf, wie kann das sein, dass du gehst? Bist du nicht zufrieden? Wir brauchen dich, du machst deine Arbeit super." Das Lustige ist: Ein, zwei Wochen vorher wurde mein anderer Kollege, der frisch angefangen hatte, vom Autohaus gekündigt, weil er nicht so „produktiv" war. Das sagt ja eigentlich alles aus. Genau. Und es kommt kein Kollege und supportet dich und sagt: „Toll, dass ihr euren Weg geht." Im Gegenteil, es geht nur darum: Mist, jetzt bleibt die Arbeit an mir hängen. Das war noch mal ein Moment, in dem ich mir dachte: Gut, Sophie, dass du gehst – du hast die richtige Entscheidung getroffen.

Der letzte Tag lief dann so ab, dass wir einen Laufzettel ausfüllen mussten, ich noch mal zum Betriebsrat und zu den Abteilungen musste. Ich habe die ganze Zeit auf diesen Tag hingefiebert und kam total erleichtert nach Hause. Ich habe dir freudig und strahlend ins Gesicht geschaut und gesagt: „Jetzt ist wirklich der letzte Tag vorbei." Und da ist so eine immense Last von mir abgefallen, von der ich vorher gar nicht wusste, dass sie so groß ist.

Wenn wir jetzt auf unsere zwei so unterschiedlichen Kündigungen zurückblicken: Was hast du aus dieser ganzen Phase mitgenommen? Für mich war das größte Learning, dass die Arbeit, die Arbeitsstelle oder ein Zertifikat nicht deine eigene Identität ist. Ich hatte immer gedacht: Wenn ich diese Arbeitsstelle verliere, verliere ich mich auch irgendwo. Ich dachte, es ist ein gewisser Status. Und mit diesem Schritt – der Entscheidung, meinen sicheren Arbeitsplatz aufzugeben – habe ich gelernt, dass ich mich als Person nicht nur über eine Arbeit identifiziere.

Bei mir war es ähnlich. Ich habe lange auf den perfekten Zeitpunkt gewartet, immer gesagt: Irgendwann mache ich es, irgendwann gehe ich auf Reisen, irgendwann kann ich selbstbestimmter leben. Es war ein perfekt ausgeschmiedeter Plan, aber er ist nie gestartet und hat sich nie perfekt angefühlt. Am Ende war der Auslöser nicht der perfekte Plan, den ich mir seit Jahren ausgearbeitet hatte, sondern die Erkenntnis, dass ich keine Lebenszeit mehr verschwenden will. Es klingt brutal dramatisch, aber ich meine es ernst: Jeder Tag in einem Job, den man nicht will, ist ein Tag, den man nicht zurückbekommt. Ich kann Lebenszeit nicht rückgängig machen – diese Technik existiert nicht.

Und was ich auch sehr wichtig finde: Es ist okay, wenn sich das Ganze nicht mutig anfühlt. Bei mir war es damals eher wie ein Taubheitsgefühl, ich bin eher wie ein Zombie durch die Gegend gelaufen und wusste gar nicht, was jetzt passiert. Du bist einfach in diesem Modus. Aber es hat sich in dem Moment komplett richtig angefühlt. Und das ist der Unterschied: wenn du diese Entscheidung einmal getroffen hast und tief in dir spürst – ja, das ist mein Weg. Das ist am Ende der Unterschied, der den Ausschlag gibt.

Durch diese eine Entscheidung hatten wir beide ein befreiendes Gefühl – egal, ob wir gekündigt wurden oder einen Aufhebungsvertrag eingereicht haben, unabhängig davon, wie der letzte Tag lief, ob es ein China-Angebot gab oder ob ich aus dem Unternehmen rausgeworfen wurde. Danach war für uns klar: Wir konnten aufatmen und endlich anfangen.

Nächste Woche, in Folge 3, geht es um eine Zahl, die uns ehrlich gesagt nicht mehr loslässt, seit wir sie gelesen haben: 62 Prozent der jungen Deutschen wollen auswandern oder ihr Leben radikal ändern – und trotzdem tun es die meisten nicht. Tobi hat dazu eine ziemlich direkte Meinung. Die Folge wird richtig polarisierend.

Wenn dir diese Folge weitergeholfen hat, dann ist das dein Moment, sie zu teilen. Denn ich bin mir sicher: Es geht nicht nur uns so, sondern ganz vielen, die innerlich zerrissen sind – die wissen, dass sie etwas ändern wollen, sich aber nicht trauen, den Job zu kündigen. Teile diese Folge mit der Person, die sie hören sollte. Und wenn du verstehen willst, wie Freelancen wirklich funktioniert, findest du den Link zu unserer Free Tour in den Shownotes unter dem Podcast. Die Free Tour geht vier Tage, ist komplett kostenlos und keine Verkaufsveranstaltung.

Alles klar – dann bis nächste Woche. Das war „Nie mehr zurück".

Wenn du dich gerade fragst „Kann ich das auch?", dann ist die Antwort: Ja. Und wir sind der beste Beweis. Wenn du verstehen willst, wie Freelancing wirklich funktioniert und wie du dir seriös online Geld verdienst, hol dir unsere kostenlose Free Tour – vier Videos, die dir zeigen, wie du startest. Den Link findest du in den Shownotes. Und abonniere gerne unseren Podcast, damit du keine weitere Folge verpasst. Bis zur nächsten Folge – nie mehr zurück.