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Erfolgsgeschichten · Interview

Social Media für Tattoo-Studios: Jens Weg | Nie Mehr Zurück Akademie Erfahrungen & Interview

  • 04.07.2026
  • 40 Min

Beschreibung

Worum es in diesem Interview geht

Jens ehrliche Erfahrungen mit der Nie Mehr Zurück Akademie: von der Übersetzerin zur ortsunabhängigen Social Media Freelancerin, die im Camper durch Europa reist. In diesem Erfolgsinterview teilt Jen ihre echten Erfahrungen mit der Nie Mehr Zurück Akademie von Sophie und Tobias. Mehr Infos auf unserer offiziellen Website: www.nie-mehr-zurueck.com Als dieses Interview entsteht, steht Jen mit ihrem Partner auf einem Kaufland-Parkplatz in Rumänien, weil es dort das beste Internet gibt. Genau so sieht ortsunabhängiges Arbeiten wirklich aus. Jen ist zweisprachig aufgewachsen, ihr Vater ist Brite. Früher war sie als zertifizierte Übersetzerin selbstständig, ging dann aber noch einmal in die Anstellung zurück, als ihr Sohn klein war. Kurz darauf kam Corona und der sichere Job fühlte sich eine Weile richtig an. Trotzdem war schnell klar: dieses ständige Funktionieren, der Wecker jeden Morgen, das ist nicht ihr Leben. Jen hat besonders ein Erlebnis geprägt. Ihre Mutter starb mit 59, bevor sie je in Rente ging. Dadurch ist ihr umso mehr bewusst geworden, dass niemand garantieren kann, wie lange man wirklich Zeit hat das Leben nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten. Vor etwa neun Jahren ging es mit einem Van zum ersten Mal nach Portugal, danach war die Richtung klar. Sie haben alles verkauft, sind in einen Camper gezogen und losgezogen, ein Jahr früher als geplant, weil ihr erwachsener Sohn sagte: Ich kenne eure Pläne, zieht los, ich mache mein Ding. Auf Sophie und Tobi sind sie sehr früh gestoßen, bei rund 400 Followern, genau als das Thema ortsunabhängiges Arbeiten in den Stories auftauchte. Anfangs war die Skepsis groß, aus ihrer Reisegruppe kam der Verdacht, das sei Network Marketing. Nach dem persönlichen Erstgespräch waren die Sorgen weg. Es ging um echtes Freelancing, eine Dienstleistung für Unternehmen, ganz ohne Freunde zu rekrutieren. Genau dieses persönliche Gespräch gab den Ausschlag. Jen wollte keinen Selbstlernkurs, den man alleine durchklickt. Sie brauchte den festen Termin einmal die Woche, die Hausaufgaben und die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Genau das hat sie durchziehen lassen. Ihre Erfolge: ✅ Arbeitet heute ortsunabhängig als Freelancerin im Social Media Management, im Camper unterwegs durch Europa ✅ Einen Tattoo-Studio-Kunden von rund 1.000 auf 5.000 Follower gebracht, mit Reichweiten bis zu 35,9 Millionen ✅ Weitere Kundin über eine Empfehlung aus der Akademie gewonnen: Social Media, Podcast-Schnitt, Grafikdesign, sogar ein Rezeptbuch ✅ Betreut ein Umwelt-Startup im Vertrieb, ein echtes Herzensprojekt ✅ Kunden über das eigene Portfolio gewonnen ✅ Arbeitet meist nur drei Stunden am Tag und entscheidet selbst, wie viel, mit wem und von wo Das Besondere an Jens Story: Sie arbeitet genau mit den Menschen, auf die sie Lust hat. Ihr Tattoo-Studio-Kunde ist über ihr Portfolio, das sie in der Nie mehr zurück Akademie erstellt hat, auf sie zugekommen, am selben Tag gab es einen Call, und aus der Zusammenarbeit wurde eine echte Freundschaft. Ihre Sicherheit trägt sie in sich selbst: Wenn eine Kundin wegfällt, hat sie genug Referenzen, um sich schnell neue zu holen. Jens wichtigste Erkenntnis: „Du kannst es einfach machen. Wenn du sehr verkopft bist, dann starte jetzt, wo du noch deine Anstellung als Sicherheit hast und baue es dir parallel auf. Du hast nichts zu verlieren, du hast noch dein Einkommen und alles, was du investieren musst, ist ein bisschen Zeit. Dann merkst du schnell, wie einfach es ist." Ihr zweites Learning für dich: „Du brauchst keine Vorkenntnisse. Du arbeitest dich rein, du lernst täglich dazu und baust dir jeden Tag neue Referenzen auf." Wenn du weißt, dass du anders tickst als der Mainstream und ein freieres Leben willst, dann ist dieses Video genau für dich. Möchtest du auch ortsunabhängig als Freelancer arbeiten? Dann starte hier mit unserer kostenlosen Freetour: 👉 https://freetour.nie-mehr-zurueck.com In der Freetour zeigen wir dir Schritt für Schritt, wie du dir ein ortsunabhängiges Leben als Freelancer aufbaust, auch ohne Vorkenntnisse oder Expertenstatus. Über die Nie Mehr Zurück Akademie: Wir sind Sophie und Tobias, digitale Nomaden und Gründer der Nie Mehr Zurück Akademie. In unserem 16-Wochen-Programm begleiten wir angestellte Arbeitnehmer dabei, ortsunabhängige Freelancer zu werden. Ehrlich, ohne Hype und ohne leere Versprechen von passivem Geld. #NieMehrZurückAkademie #Freelancer #SocialMediaManager #ortsunabhängigarbeiten #digitaleNomaden #Vanlife #Erfolgsinterview #Erfahrungen

Zum Nachlesen

Transkript des Interviews

Ja, hallo, grüß dich, liebe Jen. Heute im Interview, was mich natürlich erstmal wahnsinnig freut, dass du dir heute die Zeit dafür nimmst. Vielleicht gleich eine Frage vorab: Von wo aus machst du heute das Interview, wo seid ihr gerade aktuell unterwegs?

Wir stehen gerade in Rumänien bei Kaufland auf dem Parkplatz, weil hier besonders gutes Internet ist.

Das ist so geil, das erinnert mich sofort an Australien, wo wir wirklich immer dem Internet teilweise hinterhergejagt sind. Aber ja, am Ende ist alles möglich. Was mich ehrlich gesagt wahnsinnig interessieren würde, und ich denke, damit können wir auch den Zuhörern einen wertvollen Beitrag geben: Als du damals bei uns gestartet bist, warst du mit deinem Partner Todd ja schon auf Reisen, ihr hattet also schon einen großen Entscheidungsprozess hinter euch. Wie sah dein Leben davor aus, hattest du jemals ein klassisches Angestelltenverhältnis, oder warst du von Anfang an eher der Freigeist, der außerhalb des Systems gearbeitet hat?

Also, sowohl als auch. Als mein Sohn noch relativ klein war, habe ich einmal den Entschluss gefasst, mich selbstständig zu machen. Ich habe den großen Vorteil, dass ich zweisprachig aufgewachsen bin, ich habe meine Kindheit in England verbracht, mein Vater ist Brite. Ich steckte damals auch in einer Art Krise, wusste nicht genau, wie es weitergehen soll, hatte eine Anstellung verloren, und habe mir dann überlegt, okay, ich kann zwei Sprachen, warum das nicht nutzen. Ich bin dann nach England gegangen, habe mein Celta gemacht, das ist ein Cambridge Certificate für English Language Speaking to Adults, und habe dann angefangen, in Deutschland als Selbstständige zu arbeiten. Das Ganze war aber recht holprig, und es gab eine Phase, in der es schwierig war, Rechnungen zu bezahlen, die Krankenversicherung zu bezahlen. Mein Sohn war noch recht klein, und dann dachte ich, okay, vielleicht macht es Sinn, solange er noch jünger ist, wieder ins Angestelltenverhältnis zu gehen. Zum Glück habe ich einen Arbeitgeber gefunden, bei dem es wirklich viel Spaß gemacht hat, deswegen ist mir der Schritt nicht ganz so schwergefallen.

Das wollte ich gerade fragen, wie war dieser Unterschied zwischen Selbstständigkeit mit kompletter Verantwortung und dann wieder zurück in die Anstellung?

Na ja, das Schöne war, kurz nachdem ich wieder angestellt war, kam Corona. Das heißt, ich habe damals wirklich die beste Entscheidung getroffen, denn als Selbstständige, als Englischlehrerin, wäre das in der Coronazeit unmöglich gewesen. Ich hätte wahrscheinlich meine Eltern um Geld bitten müssen, vielleicht sogar zum Arbeitsamt gehen müssen. Deswegen war es damals genau der richtige Schritt, und es war ein bisschen erleichternd, weil ich mich nicht mehr um diese Dinge kümmern musste, wie zahle ich meine Krankenversicherung, habe ich jeden Monat genug Geld. Aber es stellte sich sehr schnell heraus, dass das nicht mein Leben ist, dieses ständige Funktionieren-Müssen. Es fing schon damit an, nicht mehr aufzustehen, wann man selbst möchte, wann der Körper sich dazu bereit fühlt, sondern jeden Morgen diesen Wecker zu stellen und sich teilweise dazu zu zwingen.

Wie war das bei dir, gerade weil du ja vorher schon einmal selbstständig warst und gemerkt hast, dass es schwierig war, deine Rechnungen zu bezahlen? Gab es da auch Bedenken, als du dich erneut selbstständig gemacht hast, dass dir das wieder passieren könnte?

Jain, natürlich hat man dann auch diese Ängste, aber ich hatte nicht mehr diese Verantwortung, ein Kind versorgen zu müssen, weil er inzwischen schon groß war und aus dem Haus. Und wir haben immer gesagt, irgendwie wird es schon gehen, notfalls klopfen wir irgendwo an und sagen, ich mähe dir deinen Rasen, und du kochst mir dafür ein Mittagessen.

Richtig. Wie war das bei euch, bei Todd und dir, wann habt ihr die Entscheidung getroffen, wir gehen jetzt aus Deutschland raus?

Das war vor etwa neun Jahren, da sind wir nach Portugal gegangen, haben uns dort einen T3 gemietet, das Land bereist, und haben gesagt, das ist es, genau das ist das Leben, das wir führen wollen.

Wie kann ich mir dieses Leben vorstellen, wie hat sich diese Reise angefühlt im Vergleich zu dem, was ihr vorher gelebt habt?

Man hat gemerkt, dass man gar nicht so viel braucht. Man braucht keinen Kleiderschrank voller Sachen, keine Garage mit einem Auto und einem Gartenzaun und all das, was einem eingeredet wird, was man braucht, um glücklich zu sein: ein Haus, einen Garten, einen Wohnwagen. Du kannst viel glücklicher sein, wenn du weniger hast, weil du dich dann auf das konzentrierst, was das Leben wirklich zu bieten hat.

Absolut richtig. Und wie war das bei euch, ihr habt euch den T3 gemietet, seid durch Portugal gefahren, seid ihr ab diesem Zeitpunkt direkt weitergereist, oder seid ihr erst wieder zurück nach Deutschland und habt euch dann einen Plan gemacht, loszuziehen?

Genau, wir sind dann zurück und haben uns ab dem Zeitpunkt jeden Tag darum gekümmert, wie und wann wir genau abhauen können, haben angefangen, Dinge zu verkaufen, sind auf Flohmärkte gegangen, haben nach und nach alles abverkauft und uns einen Plan gemacht. Der Zeitpunkt war immer: Sobald unser Sohn mit der Ausbildung fertig ist und auszieht, ist für uns der Moment gekommen zu sagen, so, tschüss, wir machen los. Und das ist dann sogar ein Jahr früher passiert, als eigentlich gedacht.

Okay, krass, wie kam das, dass es ein Jahr früher passiert ist, bevor euer Sohn seine Ausbildung eigentlich abgeschlossen hatte?

Er war im zweiten Lehrjahr und hat gesagt, ich kenne eure Pläne, ich möchte dieses Land auch verlassen, ich ziehe jetzt zu meinem Kumpel in die WG, mache hier meine Ausbildung fertig, und dann haue ich auch ab, also euch gute Reise.

Das ist ja auch allein schon geil, dass ihr letztendlich als Vorbild für euren Sohn schon losgezogen seid, weil er genau dieses Leben bei euch sieht, dass es funktioniert, dass man ein viel freieres Leben haben kann, und dass man, auch wenn man in diesem klassischen System großgeworden ist, es nicht so machen muss wie alle anderen um einen herum, sondern seinen eigenen Weg gehen kann. Ab welchem Zeitpunkt würdest du sagen, hast du festgestellt, dass dieser klassische Weg nichts für dich ist? Erst als du die Anstellung das erste Mal verlassen hast, oder war das schon viel früher?

Das war schon viel früher, ich glaube, ich war schon immer der Mensch, der nie so richtig in diese Gesellschaft reingepasst hat.

Woran hast du das gemerkt?

Na ja, man bekommt von Kollegen und Freunden immer gesagt, du bist doch verrückt, du hast so dicke Eier, so viel Mut, ich würde mich das nie trauen. Und für mich war das immer eher so: Ja, aber warum nicht?

Ich muss ja nicht in diesem Hamsterrad funktionieren, wie lange will ich das überhaupt machen, will ich arbeiten, bis ich 65 bin, dann habe ich vielleicht Pech, sterbe mit 66, und habe ein Jahr meine Freiheit genossen. Und ich glaube, ein ganz großer Punkt war, dass meine Mutter vor 20 Jahren verstorben ist, da war ich gerade 24, sie ist gerade mal 59 geworden. Das heißt, sie ist nicht mal an den Punkt gekommen, in Rente zu gehen und zu sagen, jetzt bin ich frei, jetzt reise ich, jetzt erlebe ich die Welt. Ich glaube, das war auch so ein ganz großer Knackpunkt, es kann so schnell vorbei sein.

Ich glaube, solche Erfahrungen prägen einen wirklich, und das ist auch, denke ich, ein großer Fehler, den viele machen: dieses ständige Auf-später-Verschieben, dieser Wenn-dann-Gedanke. Wenn erstmal das erledigt ist, dann kann ich etwas machen, wenn ich erstmal geheiratet habe, dann kann ich die Flitterwochen genießen, wenn ich erstmal in Rente bin, dann kann ich auf Reisen gehen. Ich weiß noch von meinem allerersten Arbeitstag, da gab es einen Kollegen, der kurz vor der Rente stand und jeden Tag ein Kreuz in seinem Kalender gemacht hat, wann er endlich in Rente gehen kann. Ich habe damals zu ihm gesagt, das ist doch kein Leben, warum machst du das. Er ist dann in Rente gegangen, und ein halbes Jahr später ist er verstorben. Das war für mich auch so ein Punkt: Dieser Mensch hat sein Leben lang für ein Unternehmen aufgeopfert, um danach ein halbes Jahr Rente zu haben, und im Unternehmen hat es am Ende niemanden wirklich interessiert. Die haben gesagt, oh, der Arme, hat sein ganzes Leben lang nur gearbeitet und hatte gar nichts von seiner Rente, aber geändert hat das bei niemandem etwas, alle sind einfach jeden Tag weiter ihren Weg gegangen. Ich finde es manchmal so krass, dass es bei uns Menschen oft erst richtig wehtun muss, bevor wir wirklich etwas verändern.

Ja, und manchmal sind es eben solche prägenden Erlebnisse, die man in der Kindheit oder im frühen Erwachsenenalter macht. Auf der einen Seite ist es wahnsinnig traurig, auf der anderen Seite ist es ein wahnsinnig wertvolles Learning, dass man selbst nicht denselben Fehler machen muss. Wie war das dann bei euch, ihr seid ja neun Jahre vorher schon immer wieder gereist?

Ja, seit dieser Reise nach Portugal sind wir immer wieder gereist, haben uns neue Länder angeschaut. Zwischendurch hatten wir sogar den Gedanken, uns in Portugal ein Grundstück zu kaufen, um dort Selbstversorger zu werden, sind aber dann doch immer in andere Länder gereist und haben gedacht, nee, wir binden uns jetzt nicht an ein Land, und wir wollen uns auch keinen Kredit an die Backe kleben, den wir die nächsten 30 Jahre abbezahlen müssen, nur um am Ende wieder frei zu sein. Das war ein richtiger Lernprozess, wir haben gemerkt, okay, im Camper zu leben, das können wir uns vorstellen, kein Problem, und darauf haben wir dann hingearbeitet.

Das heißt, ihr wart immer wieder auf Reisen, seid zurückgekommen, habt ein bisschen gearbeitet, seid wieder gereist. Wie habt ihr diese Reisen damals finanziert?

Ganz normaler Urlaub, wir haben uns von Urlaub zu Urlaub gehangelt, so wie die meisten Menschen. Man arbeitet jeden Tag und zählt runter, wir haben versucht, alle acht Wochen einmal für eine Woche oder ein verlängertes Wochenende rauszukommen, um nicht in diesen Trott zu verfallen. Man wird ja auch traurig und depressiv, wenn man jeden Tag diesen Trott mitmacht, vor allem, wenn man nur Menschen um sich herum hat, die dasselbe Gesicht ziehen und denken, wann ist endlich der nächste Urlaub. Ganz schlimm fand ich auch immer diese Menschen, die nie über irgendeine Grenze hinausgedacht haben, die jedes Jahr in dieselbe Ferienunterkunft, an dieselbe Ostsee gefahren sind, immer dasselbe Restaurant, dasselbe Essen hatten, wo ich mir immer dachte, komm doch mal raus, erleb was anderes, sprenge doch mal deine Grenzen. Aber die haben gesagt, mir gefällt das, ich möchte jedes Jahr dasselbe machen, das ist wirklich crazy, wie das bei manchen ist. Ihr wart also neun Jahre lang trotzdem im Urlaub unterwegs, und dann habt ihr gesagt, jetzt reisen wir länger. Habt ihr euch da vorher schon Gedanken gemacht, wie ihr das finanziert, oder einfach von Erspartem gelebt?

Dadurch, dass wir keine Basis mehr in Deutschland hatten, haben wir einfach alles abverkauft, was wir hatten. Wir waren vorher Flohmarktgänger, das heißt, wir hatten eine dreistöckige Scheune voll mit Flohmarktware, die haben wir alles verkauft. Blöderweise haben wir uns dann einen Camper mit einem Wasserschaden gekauft, sodass der eigentliche Batzen Erspartes, den wir uns vorgestellt hatten, immer kleiner wurde. Manche Leute haben schon gefragt, wollt ihr jetzt wirklich schon los, ihr habt doch gar nicht mehr die Summe, die ihr haben wolltet. Aber es gab kein Zurück mehr, wir mussten also los. Wir haben uns gesagt, okay, wir schauen, wie lange es gutgeht, und arbeiten dann eben von unterwegs. Der eigentliche Plan war, über Workaway bei Menschen für Kost und Logis zu arbeiten und dann zu schauen, wie es weitergeht, aber einen richtigen Plan hatten wir eigentlich nicht.

Das ist aber auch schon wieder so interessant, weil viele sagen würden, ich setze mir erst ein Ziel, ich will zum Beispiel 6000 Euro haben, und erst dann starte ich. Ihr habt gemerkt, wir sind unter dem, was wir eigentlich sparen wollten, aber wir haben das Ziel im Kopf und starten trotzdem einfach, und schauen, wohin es führt.

Ja, richtig, weil diese Garantie, egal wie viel Geld man auf dem Konto hat, die gibt es sowieso nicht.

Wie ging es dann weiter, habt ihr mit Workaway gestartet, also bei anderen Leuten für Kost und Logis gearbeitet, oder ist es anders gekommen, als ihr es euch vorgestellt hattet?

Wir haben vier Wochen in Italien auf einem Campingplatz gearbeitet, das war ganz cool, aber wir waren dadurch auch sehr unflexibel, wir mussten uns an diesen Ort binden. Am Ende haben wir viel mehr gearbeitet, als eigentlich vereinbart war, weil wir einfach 24 Stunden vor Ort waren. Vielleicht machen wir das irgendwann noch mal, nur um diese Erfahrung zu machen, aber wir haben schnell gemerkt, das ist nicht das, wonach wir gestrebt haben, weil man dann wieder einen Vorgesetzten hat, wieder feste Zeiten einhalten muss und an einen Ort gebunden ist. Das sind wir nicht, wir müssen flexibel bleiben.

Das war damals bei Tobi und mir auf der Avocadofarm genau dasselbe: Wir dachten, jetzt sind wir hier in Australien, jetzt leben wir unser geilstes Leben überhaupt, und dann bist du rund um die Uhr auf der Farm, pflückst den ganzen Tag Avocados und denkst dir, dafür bin ich jetzt eigentlich nicht nach Australien gereist. Wie ging es dann bei euch weiter, habt ihr euch online informiert, wie ihr euch das Ganze finanzieren könnt, wie ihr es schafft, online Geld zu verdienen?

Jain, das war eher ein fließender Übergang, dass wir auf euch gestoßen sind, weil ihr genau zu der Zeit angefangen habt, ortsunabhängiges Arbeiten in euren Stories zu zeigen. Wir sind euch schon von relativ weit am Anfang an gefolgt, ich glaube, ihr hattet so vier- bis fünfhundert Follower, als wir angefangen haben, euch zu folgen, wir sind also schon ganz lange dabei. Wir dachten uns, die machen da etwas ganz Spannendes, das schauen wir uns weiter an, und das kam für uns zeitlich einfach passend.

Ich weiß noch, ich glaube, wir hatten dann unser erstes Kennenlerngespräch, wo wir euch auch kennenlernen wollten, oder ihr hattet noch etwas auf Instagram gepostet, wo ihr gesagt habt, das ist hier aber kein Network Marketing. Kannst du dich daran noch erinnern?

Ich erinnere mich sehr gut daran. Wir hatten einen Termin vereinbart, der dann nicht stattgefunden hat, weil ihr, glaube ich, Stromausfall hattet. Einen Tag später hat dann eine eurer Erstkundinnen gepostet, ich habe jetzt meinen ersten Kunden, und ich dachte, hm, das ist irgendwie komisch, wieso geht das so schnell, das muss doch irgendetwas sein, was nicht stimmt. Wir waren zu der Zeit gerade mit einer Gruppe anderer Reisender unterwegs, und die haben uns diesen Floh ins Ohr gesetzt, das ist nicht seriös, die wollen euch abziehen, das ist Network Marketing, das machen ganz viele, du musst deine ganzen Freunde abklappern und hast irgendwann keinen mehr. Dann haben wir euch natürlich gefragt, bevor wir einen neuen Termin machen, worum es hier eigentlich geht, was macht ihr genau?

Das ist auch so eine wahnsinnige Schwierigkeit für uns, den Leuten klarzumachen, dass es beim Freelancen um eine seriöse Arbeit geht, bei der man einfach eine Dienstleistung anbietet, dass man keine Freunde rekrutieren muss, sondern direkt für Unternehmen, für Kunden arbeitet, und dass es überhaupt keinen Teamaufbau gibt. Ganz ehrlich, ich hätte selbst keine Lust, irgendwelchen Leuten Wasser andrehen zu müssen, nur um dann eine Provision zu bekommen, und dann zu sagen, das Wasser kostet aber 15 Euro statt der 80 Cent, die es vielleicht wert ist. Was war dann der Punkt, an dem ihr trotzdem gemerkt habt, das Ganze ist wirklich kein Network Marketing, und diese Bedenken sind vielleicht unberechtigt, oder ihr müsst sie erstmal ausräumen?

Nachdem wir das Erstgespräch mit euch hatten, waren alle Sorgen weg, weil ihr uns so sympathisch wart. Ihr habt uns erklärt, worum es geht, was uns erwartet, was auf uns zukommt, und dann haben wir gesagt, komm, wir machen das. Wir mussten gar nicht lange überlegen, es war wichtig, mit euch persönlich zu sprechen, ich glaube, das war der ausschlaggebende Punkt.

Ich glaube, das ist auch immens wichtig, gerade bei so einer Zusammenarbeit, das muss einfach harmonieren. Auch wenn dir jemand etwas beibringen will und du selbst denkst, was erzählt der hier für einen Schwachsinn, dann nimmst du dir das ja auch gar nicht an, dann setzt du es auch nicht um. Deshalb muss es bei so einer Zusammenarbeit immer harmonieren, weil wir letztendlich auch keinen Online-Selbstlernkurs anbieten, bei dem wir sagen, hier sind die Videos, entweder du schaffst es, oder wenn nicht, Pech gehabt, dann warst du nicht committed genug, sondern es geht wirklich darum, miteinander zusammenzuarbeiten, das Beste aus den Wochen herauszuholen, und das schafft man nur, wenn das gegenseitige Vertrauen da ist.

Das war auch ein Punkt für uns, wir brauchten jemanden, der uns wirklich an die Hand nimmt. Natürlich könnte man sich das theoretisch auch übers Internet erarbeiten, sich Informationen holen, aber wir brauchten diesen festen Termin einmal die Woche, wir brauchten die Hausaufgaben, wir brauchten Unterlagen, aber auch die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Das war ganz, ganz wichtig für uns.

Ja, das ist wirklich das, was wir immer wieder merken: Die meisten Onlinekurse da draußen kann man eigentlich gleich in die Schublade legen, weil die Leute am Anfang ein, zwei Wochen motiviert sind und danach, ich kenne es selbst, ich habe so viele Onlinekurse gebucht, aber wie viele davon ich wirklich bis zum Schluss umgesetzt habe, sind vielleicht ein, zwei, der Rest verstaubt irgendwo auf dem Rechner. Deswegen haben wir uns von Anfang an Gedanken gemacht, wie wir es hinkriegen, dass Menschen, die ihr Leben verändern wollen, von Anfang an diese Begleitung haben und selbst dieses Commitment mit sich haben, dass sie sagen, ich setze hier wirklich Woche für Woche etwas um, ich merke, es funktioniert, ich komme voran, ich baue Selbstbewusstsein auf und erreiche am Ende mein Ziel. Gab es während der Akademie einen Moment, in dem du gemerkt hast, dass du aus deiner Komfortzone raus musstest, oder war das eher ähnlich wie das, was du aus deiner Selbstständigkeit als Übersetzerin schon kanntest?

Es gab keinen richtigen Aha-Moment in dem Sinne, dass ich dachte, ich muss jetzt aus meiner Komfortzone raus, weil die habe ich eigentlich nicht, ich bin immer so ein mutiger Typ, mir ist es auch egal, mich mal zum Horst zu machen. Aufregend wurde es, als wir Feedback zu unseren Portfolios bekommen haben, und dann bei diesem einen Modul, in dem es darum ging, aktiv Leute anzusprechen. Da dachte ich, na klar, warum soll ich auf die warten, ich kann sie doch einfach ansprechen, ich kann sagen, worauf habe ich Lust, und dann schreibe ich sie einfach an. Das hat sofort funktioniert, sofort, und das hat mir noch mal so viel Selbstbewusstsein gegeben, dass ich dachte, okay, ich kann einfach alles erreichen.

Und das ist auch immer diese Schwierigkeit, die viele falsch machen, weil das oft aus diesem Network-Marketing-Denken kommt: aktiv werden, aber dann bekommen alle eine Vorlage und sollen die an 200 Leute schicken, dann funktioniert das schon. Wir sagen aber, nein, das funktioniert nicht, weil wenn du dieselbe Nachricht an jeden schicken kannst, ist sie schon wieder null individuell, fühlt sich niemand angesprochen, und jeder denkt, jetzt kommt schon wieder jemand mit einem Angebot, darauf antworte ich gar nicht erst.

Bei dir hat das dann auch diesen Schalter umgelegt, dass du festgestellt hast, okay, ich kann ja auch mit Kunden zusammenarbeiten, mit denen ich wirklich zusammenarbeiten möchte. Was war da deine Branche, bei der du gesagt hast, mit den Leuten hätte ich richtig Lust zu arbeiten?

Mit den Tätowierern, das ist einfach cool. Ich liebe diese Art von Menschen, ich bin, wie man sieht, selbst stark tätowiert, das war von Anfang an klar: Das will ich machen, darauf habe ich richtig Lust, da kann ich mich kreativ ausleben, ich kenne mich da aus. Es gab aber noch einen anderen, den ich aktiv angeschrieben habe, dabei ging es um Umweltschutz, was durch das Reisen auch ein ganz großes Thema für uns ist. Wir sehen ja, was in der Welt los ist, und sind immer aktiv dabei, aufzuräumen, Müll wegzubringen. Es gab da ein kleines Startup-Unternehmen, das habe ich aktiv angeschrieben, und für die mache ich seitdem den Vertrieb, zwar auf Provisionsbasis, aber es ist ein echtes Herzensprojekt.

Richtig, das will ich machen, das mache ich auch weiterhin, und da denke ich mir, alles, was dich interessiert, mach es, schreib die Menschen an, und wenn du dahinterstehst, umso besser. Das ist auch wieder so ein Punkt: Gerade wenn wir uns selbstständig machen, warum sollte ich mit Kunden zusammenarbeiten, auf die ich gar keine Lust habe, die vielleicht gar nicht meine eigenen Werte vertreten? Deshalb habe ich mich ja nicht selbstständig gemacht. Hättest du vorher damit gerechnet, dass du mit Leuten zusammenarbeiten kannst, mit denen du selbst zusammenarbeiten willst, statt nur auf Stellenausschreibungen angewiesen zu sein?

Nein, das hätte ich nicht gedacht, das kam erst durch den Kurs, das war ein richtiger Aha-Moment.

Das ist mega geil. Erzähl doch mal, du hattest mir letztens auch geschrieben, dass du mit deinem Tattoo-Studio-Kunden ganz große Erfolge erzielt hast. Kannst du ein bisschen mehr zu deiner Dienstleistung erzählen, was du für ihn machst?

Angefangen hat es, ich hatte in einer Facebook-Gruppe vor längerer Zeit mein Profil hinterlegt. Das war gar nicht jemand, den ich aktiv angeschrieben habe, sondern er kam auf mich zu, weil er mein Portfolio gesehen hatte, hat mich angeschrieben, und wir hatten am selben Tag einen Call. Es hat sofort geklickt, wir haben uns super verstanden, und er hat jemanden gesucht, der ein bisschen Recherche für ihn macht, Trends raussucht, seine Seite etwas aufräumt und sich um Facebook, Instagram und TikTok kümmert. Ich habe dann drei Stunden investiert, erst recherchiert, was er so macht, mich nach Trends umgesehen, und ihm eine Strategie erarbeitet, die wir fahren könnten. Das haben wir dann eine Woche gemacht, er war super zufrieden, und ich habe den Job bekommen. Mittlerweile habe ich ihn von knapp tausend auf jetzt fünftausend Follower gebracht, mit einer Reichweite von fünfundsiebzigtausend, das Maximum war eine Reichweite von 35,9 Millionen.

Das ist krank.

Es fühlt sich auch wirklich gut an.

Man sieht dann auch diese Erfolge, die man beim eigenen Kunden kreiert, und das ist wahnsinnig beflügelnd, weil man ein direktes Ergebnis der eigenen Arbeit sieht, und am Ende ist der Kunde zufrieden, man selbst ist zufrieden. Würdest du sagen, das ist mit deinen Kunden wie ein klassisches Arbeitsverhältnis, oder ist es eher eine freundschaftliche Basis?

Absolut freundschaftlich, wir schicken uns auch lustige Reels, telefonieren regelmäßig, er ist mittlerweile wirklich ein Freund geworden. Wir überlegen sogar, uns in Thailand zu Silvester zu treffen, wenn er da ist und wir wahrscheinlich auch dort sein werden, dass wir uns dann treffen und ordentlich feiern.

Richtig geil, und das ist auch etwas, das sich viele nie vorstellen können. Viele denken, diese Selbstständigkeit ist trotzdem so, dass sich jemand von einem etwas sagen lässt, oder die Kunden sind unzufrieden, was mache ich dann, wenn ich einen Fehler mache. Würdest du sagen, du hast während der Zusammenarbeit mit deinem Kunden dazugelernt, oder braucht man vorher noch zahlreiche Zertifikate, ein extra Studium, um überhaupt anzufangen?

Braucht man nicht, man arbeitet sich rein, man lernt jeden Tag dazu, man baut sich jeden Tag neue Referenzen auf, die einem mehr Selbstbewusstsein geben. Er hat mir jetzt sogar schon angeboten, dass ich noch einen weiteren Kanal übernehme, er macht auch noch etwas Kunst und Graffiti, da möchte er, dass ich diesen Kanal übernehme. Man braucht keine Vorkenntnisse, gerade heutzutage hast du alle Möglichkeiten im Internet, du kannst es dir selbst beibringen, dir Tutorials anschauen, Learning by Doing, und wenn irgendwann mal etwas floppt, dann floppt es halt, das ist das Leben, und gerade aus diesen Flops lernst du eigentlich am meisten.

Genau, so funktioniert es nicht, ich muss es anders machen, das ist der Punkt. Das dürfen wir uns aber auch erst erlauben, wenn wir jahrelang in diesem normalen System aufgewachsen sind, dass wir unperfekt starten, dass wir einfach anfangen, auch wenn wir noch denken, ich kann doch eigentlich gar nichts. Ich habe dazu letztens einen super interessanten Podcast gehört, da ging es um einen Unternehmer, der Personal Training auch für Celebrities anbieten wollte und sich fragte, wie starte ich. Er hat angefangen, in Fitnessstudios anzurufen, ob die Bedarf hätten. Die haben alle gesagt, nein, wir haben schon Fitnesstrainer. Dann kam gerade der Trend Zumba auf, und er hat dieselben Fitnessstudios noch einmal angerufen und gefragt, ob sie jemanden für Zumba-Training brauchen, und die wollten auf den Trend aufspringen und haben gesagt, ja, unbedingt. Er hatte aber gar kein offizielles Zumba-Zertifikat, also hat er sich per Teleshopping ein paar DVDs nach Hause schicken lassen, im Wohnzimmer die Choreografien eintrainiert, und gesagt, ich habe es gehasst, aber trotzdem gemacht, um erstmal in diese Fitnessstudios reinzukommen. Als er dann fest drin war, hat er gesagt, na ja, wenn ich schon für Zumba hier bin, würde ich aber auch gern den anderen Kurs mit anbieten, sonst macht es für mich keinen Sinn, und die Fitnessstudios haben dann sogar die anderen Trainer abgezogen und ihm die zusätzlichen Kurse gegeben, damit er weiter Zumba machen konnte.

Das finde ich auch so krass, dass man merkt, eigentlich muss ich zuerst mal starten, vielleicht auch zuerst mit meiner Dienstleistung anfangen, auch wenn ich sie vorher noch gar nicht so kannte oder konnte, richtig?

Ja, absolut. Ich habe noch eine andere Kundin, in die bin ich durch eine andere Teilnehmerin reingerutscht, die auch in der Akademie war. Sie hat bei ihr gestartet, gemerkt, okay, die braucht vielleicht ein bisschen Unterstützung im Social-Media-Bereich, und mich vorgeschlagen. Ich hatte dann ein Vorstellungsgespräch, wir haben telefoniert, waren uns super sympathisch, und für sie mache ich seitdem Social Media. Mittlerweile schneide ich auch ihre Podcasts, mache ganz viel Grafikdesign, mit Canva, ich liebe Canva, du kannst da wirklich alles machen. Ich habe mittlerweile für sie ein Rezeptbuch gestaltet, Podcasts geschnitten, das Cover für den Podcast gemacht, und sie hat immer mehr Ideen, die ich umsetzen soll, und das mache ich auch. In meiner Freizeit bilde ich mich weiter und kann ihr dann die neu erlernten Dinge in Rechnung stellen, das ist eine Win-win-Situation: Sie braucht nicht jemand Neues, weil sie jemandem vertraut, und ich bilde mich weiter und verdiene weiterhin Geld, und kann selbst entscheiden, wie viel ich arbeiten will.

Das ist auch noch mal wahnsinnig stark, und da merkt man, dass diese Sicherheit eigentlich gar nicht in einem Unternehmen oder einem Kunden liegt, sondern man trägt die Sicherheit in sich selbst, indem man sich Skills aufbaut, sich weiterbildet und das dann letztendlich auch zu Geld machen kann. Und wenn Kunden mit der Arbeit zufrieden sind, ist es meistens dieser natürliche Prozess, dass sie fragen, kannst du das auch noch übernehmen, und das noch mit dazu. Hast du jetzt aktuell Angst, dass du morgen gar kein Geld mehr verdienst und wieder zurückmusst?

Gar nicht, überhaupt nicht, weil selbst wenn ich aus irgendeinem Grund eine Kundin verlieren sollte, habe ich mittlerweile so viele Referenzen, dass ich mir locker zwei, drei neue schnappen könnte. Die würde ich dann auch wieder aktiv ansprechen und sagen, guck mal, was ich kann, lass uns zusammenarbeiten. Davor habe ich also gar keine Angst.

Das finde ich auch wahnsinnig befreiend, weil man dann keine Angst mehr davor hat, was in drei oder sechs Monaten passiert, sondern genau weiß, ich habe einmal Kundengewinnung verstanden, wie das Ganze funktioniert, das heißt, ich kann es jederzeit wieder anwenden.

Und ich kann auch mit dem Markt mitgehen. Wenn ich merke, okay, eine Dienstleistung wird plötzlich, so wie bei mir damals die Übersetzung, gar nicht mehr so gebraucht, dann bilde ich mich eben weiter, lerne etwas Neues, das gerade aktuell gesucht wird, und habe wieder eine volle Auftragslage.

Richtig, so sieht's aus, so einfach ist es eigentlich, und trotzdem ist es bei den meisten Menschen so sehr verkopft. Wie würdest du sagen sieht gerade aktuell dein Alltag aus, weil ihr reist ja auch, wie hast du dir deinen Alltag gestaltet, dass du Reisen mit Arbeiten kombinieren kannst?

Unser Tag sieht so aus, dass wir erstmal schlafen, so lange wir wollen, dann wird ordentlich Kaffee genossen, dann machen wir Sport, auch sehr wichtig, um den Kopf in Gang zu bringen. Dann arbeiten wir maximal zwei bis drei Stunden, und fahren dann weiter an den nächsten Ort, wo wir gerne sein möchten, genießen den Tag, schauen uns Dinge an, machen Siesta, kochen uns etwas Schönes, und so entscheiden wir jeden Tag neu. Klar hat man auch hier irgendwie einen Alltag, aber wir gestalten ihn, wie wir wollen. Wenn wir sagen, wir wollen morgen früh nach dem Sport lieber Sightseeing machen, dann machen wir das, und arbeiten stattdessen am Nachmittag drei Stunden, aber mehr als diese zwei bis drei Stunden ist eigentlich nicht nötig.

Und allein das schafft schon so viel mehr Lebensqualität. Ich finde das auch als Paar so wichtig, denn wenn ihr als Paar den ganzen Tag jeder in seiner Anstellung ist und unzufrieden nach Hause kommt, was hast du dann wirklich von deinem Leben, was hast du von deinem Partner, was hast du vielleicht von deinen Kindern, wenn du wirklich Vollzeit arbeitest? Eigentlich nicht viel.

Nicht viel, genau.

Was würdest du zu jemandem sagen, der dasselbe Ziel hat, auf Reisen zu gehen und eine Möglichkeit zu finden, seriös online Geld zu verdienen?

Einfach machen, einfach ausprobieren. Es gibt natürlich viele Menschen, die da sehr verkopft sind, denen würde ich raten, starte doch jetzt, solange du noch in deiner Bubble bist, schau, was möglich ist, du hast ja nichts zu verlieren, du hast noch dein Einkommen, alles, was du tun musst, ist ein bisschen Zeit zu investieren, und dann wirst du schnell merken, wie einfach es ist, und dann kannst du los.

Was denkst du eigentlich, warum wird einem das in der Schule nicht beigebracht, warum lernt man so etwas nicht?

Wir sollen funktionieren, wir sollen konsumieren, wir sollen brav unsere Steuern zahlen und nicht nach links und rechts gucken, das ist so der Hauptgrund. Und am besten werden wir durch die viele Arbeit auch noch krank und kaufen dann ordentlich Medikamente, damit dieses ganze System, diese Zahnräder, ineinandergreifen. Deshalb kommt man schlau in die Schule und dumm wieder raus.

Ja, und das ist auch ein Aspekt, den ich als Frau auch sehen würde. Das haben Tobi und ich auch schon gesagt: Wir wollen in Deutschland keine Kinder in die Welt setzen, genau aus dem Grund, weil wir unsere Kinder nicht in so ein System pressen wollen, das ihnen eigentlich die Energie nimmt. Ich sehe das immer wieder bei meinen jüngeren Geschwistern, die einen Gymnasialabschluss haben und teilweise so ausgebrannt sind nach der Schule mit den ganzen Hausaufgaben, du musst das können, du sollst jedes Fach perfekt beherrschen, und dann fragst du den Biolehrer, ob er auch Mathe kann, und der sagt, nee, ist nicht mein Fachgebiet. Und das erwarten wir dann von 13-jährigen Kindern.

Das ist verrückt. Wir haben unterwegs auch einige kennengelernt, die mit Kindern reisen, die genau aus diesem Grund schon vor der Einschulung aus Deutschland raus sind. Die Kinder sind so klug, so interessiert, die sagen, ich möchte jetzt noch einen Kurs über Blumen machen, über Vögel, und es wird heutzutage so viel online angeboten, wo sich Freiwillige hinsetzen und Kinder unterrichten, in Fächern, die wirklich wichtig sind, nämlich Pflanzenkunde, Ernährung, Zeichnen, kreativ sein, und nicht irgendwelche Binomischen Formeln oder Integralrechnung zweiten Grades, die man wirklich nie im Leben braucht.

Ich wüsste auch nicht, wann man das sonst lernen sollte, das ist wirklich absurd. Aber das finde ich auch das Schöne an der heutigen Zeit, es gibt diese Möglichkeiten, wir müssen sie letztendlich nur nutzen. Gerade beim Thema Wissen aneignen, Kinder sind eigentlich von Natur aus neugierig, die wollen lernen. Ich weiß noch aus meiner eigenen Schulzeit, ich hatte irgendwann gar keine Lust mehr aufs Lernen, ich wurde immer dazu gedrängt, auswendig zu lernen, ich hatte keinen Bock, und ich habe danach auch eine Zeit lang gebraucht, in der ich diesen Abstand hatte und dachte, ich bin jetzt fertig, ich lerne nie wieder, bis ich irgendwann wieder Lust bekommen habe, mich weiterzubilden, zu lernen. Wenn einem das aber schon in der Schule abtrainiert wird, weil man dazu gedrängt wird, Sachen zu lernen, die man eigentlich gar nicht braucht, und schon junge Kinder fragen, wofür eigentlich, und die Erwachsenen darauf keine Antwort haben, dann ist das schon eine verrückte Welt.

Verrückte Welt, aber gleichzeitig, in gewisser Weise, auch eine gute Welt, weil wir sie selbst beeinflussen können. Jeder hat letztendlich diese Wahl, diese Entscheidung in seinem Leben zu treffen.

So sieht's aus, man muss es nur machen. Das ist am Ende eigentlich die Lösung, einfach mal machen, einfach starten, und sich vielleicht auch Hilfe bei Menschen suchen, die diesen Weg schon gegangen sind. Wie sieht denn eure weitere Reise aus? Ihr seid ja gerade in Rumänien und wollt Ende des Jahres zu Silvester in Thailand sein.

Ich glaube, da sind wir auch. Wir müssen uns auf jeden Fall sehen, wenn wir dort sind. Wir leben ja jetzt schon seit drei Jahren im Camper, davor hatten wir sogar schon in unserer Einfahrt vor unserem alten Haus im Camper gewohnt. Jetzt haben wir gesagt, wir wollen noch mehr sehen, wir werden mit dem Rucksack losziehen, vermutlich schon im September nach Vietnam, dann ein bisschen reisen, und dann zu Silvester in Thailand sein, weil wir es können, was hält uns zurück. Und immer wenn ich sage, ich möchte jetzt etwas anderes in meinem Leben, dann heißt es let's go. Gerade durch dieses ortsunabhängige Leben hat man zum ersten Mal im Leben diese Freiheit zu sagen, ich entscheide, wie viel, ich entscheide, mit wem, und ich entscheide, von wo aus. Und ich glaube ganz ehrlich, diese Freiheit kann einem keine Anstellung geben, die gibt es da draußen nicht, niemals.

Ja, perfekt, vielen, vielen Dank dir, liebe Jen, danke schön natürlich, dass du dir die Zeit genommen hast, und wir freuen uns wahnsinnig, euch dann auch in Thailand live zu sehen, da machen wir uns auf jeden Fall etwas aus, weil wir da ja auch gerade sein werden. Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, denn ich denke, das ist wirklich sehr wichtig für andere, die selbst sagen, ich bin so in diesem System, ich habe das Gefühl, ich bin vielleicht anders oder ich möchte ein anderes Leben führen als das, was der Mainstream macht. Und dann zu sehen, hey, es gibt diese Möglichkeiten, es gibt so viele Menschen da draußen, die ein anderes Leben leben, das ist nichts Untypisches oder Unnormales.

Nee, absolut nicht, und vor allem, weil sich die Welt dahin entwickelt, viele Unternehmen setzen nur noch auf Freelancer, weil sie nicht mehr fest einstellen wollen.

Ja, dann geh mit, mach es, trau dich, geh da raus, und erlebe, führe das geilste Leben, das du führen kannst, weil wir haben nur dieses eine Leben.